ATT Tourbook

 

Hier könnt Ihr das Tourbook als PDF inkl. der Bilder downloaden

Darstellung des Tourbooks im Internet

Die komplexe Darstellung des Tourbook´s im Web ist umfangreich, daher seht ihr hier als Vorschau nur die Textversion ohne Bilder. Das komplette Tourbook inklusive Bilder kann jederzeit als PDF Version herunter geladen werden, damit habt ihr ein ewiges Dokument.

Damit es schnell geht, musste ich beim Erstellen des Tourbooks auf einfache Bordmittel zurück greifen, verzeiht mir daher die semiprofessionelle Darstellung des PDF, mehr gibt Word nicht her auf die Schnelle 😉

Vorwort…

Um es vorweg zu nehmen, diese Tour war eine echte Belastungsprobe für Mensch und Maschine. Die körperliche Anstrengung war enorm, die Beschaffenheit der Straßen ab und an grenzwertig. Wir haben noch bei keiner Tour so viel an den Mopeds schrauben und festziehen müssen wie dieses Mal, dazu noch ein paar Schrammen an Lack und Leder. Aber der Mix machte es aus, und ich würde diese Tour genauso jeder Zeit wieder fahren.

Nach der Seealpentour 2013 wuchs der Wunsch, gemeinsam mit Freunden weitere Abenteuer zu bestehen und neue Welten mit dem Motorrad zu entdecken. Da ich im Jahr 2014 ein halbes Jahrhundert alt werde, wollte ich mir auch zu diesem Anlass eine ganz besondere Tour einfallen lassen.

Nach vielen Vorschlägen mögliche Ziele betreffend entstanden die Hauptziele Apennin und Toskana. Gerade die Bergwelten des Apennin strahlen einen besonderen Reiz aus, weil diese touristisch nahezu unerschlossen sind. Und wenn wir schon mal in diese Ecke unterwegs sind, sollten weitere Highlights dazu kommen. So entstand eine ganz besondere Mischung unterschiedlichster Landschaften und Regionen. Termin und Teilnehmer fanden sich recht schnell, so dass ich im August 2013 mit der Planung beginnen konnte, und diese Zeit war auch für dieses riesige Projekt nötig.

Die gesamte Planung konnte jeder wie bei der SAT im Blog live verfolgen, zusätzlich habe ich laufend bis zum Start zur gesamten Route viele Tourinfos zusammen getragen. Zur Zeit müssen noch weit über 20.000 Bilder ausgewertet, aussortiert, und für den Blog vorbereitet werden. Die ersten Bilder sind bereits online. Dazu kommt noch stundenlanges Videomaterial von Jochem´s Actioncam, das alles wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Schon mal vielen tausend Dank Jochem für Deinen unermüdlichen Einsatz an der Actioncam!

Die größte Herausforderung bestand darin, eine Tour über 12 Tage in einzelne Etappen so aufzuteilen, dass jeder Tag machbar bleibt, und trotz großer, körperlicher Anstrengung auch noch Spaß macht. An den Etappenzielen schwebten mir besondere, und dennoch günstige Unterkünfte vor, und die Einzeletappen sollten mit vielen Highlights sowie kurvenreichen Strecken und traumhaften Landschaften gespickt sein. Aus groben Koordinaten und passenden Unterkünften entstand so die Tour, die wir gemeinsam erfahren haben. Mir kribbelt es jetzt noch beim bloßen Gedanken an diese unvergesslichen Tage.

Unzählige Male begann ich, eine machbare Route zu planen, verwarf diese wieder, plante erneut, und verwarf auch diese wieder. Aber dann stand endlich das grobe Gerüst. Bei den vielen Tagen und unbekannten Strecken und Gegenden war klar, dass es ein Abenteuer und kein Kindergeburtstag werden würde, hier stand das tägliche Motorradfahren im Vordergrund. Jetzt galt es, geeignete Unterkünfte entsprechend der grob geplanten Tagesetappen auf der Route zu finden. Und es sollte ja günstig werden, und trotzdem ordentlich und sauber. Und dazu mein Wunsch, einzigartige und der Region entsprechend authentische Unterkünfte zu finden. An den Küsten habe ich nach netten Hotels nah am Wasser gesucht, um das pulsierende Leben zu spüren. In den Bergen schaute ich ganz gezielt nach Agriturismo´s, damit wir die typische Lebensweise und das regionale Essen der einzelnen Regionen hautnah inmitten der Natur spüren können. Trotz vieler Sprachbarrieren bekam das Ganze nach und nach immer mehr Form, und irgendwann hatte ich auch die letzten Betten gefunden und gebucht. Die Tagesetappen mussten nun noch angepasst werden an die Unterkünfte, und dann stand das Gerüst, also hieß es nun, traumhafte und vor allem unbekannte Routen auszuarbeiten, damit diese Tour etwas Einzigartiges wird.

Reiseführer und Detailkarten über die unbekannten Gegenden mussten her. Da es durch nahezu alle Provinzen Italiens ging, war das schon eine Menge Material. Dazu habe ich unzählige Reiseberichte und Dokus studiert, um die Besonderheiten der einzelnen Regionen zu erfahren. Erfahrungsberichte von Motorradfahreren waren speziell für die einsamen Regionen schwer zu finden, warum, haben wir ja später selber erlebt in der tagelangen Einsamkeit der Bergregionen des Apennin. Nach und nach entwickelten sich die einzelnen Tagesetappen zu einem aneinander hängenden Netzwerk an Straßen, immer darauf bedacht, dass jeder Tag auch machbar bleibt. Jeden Meter habe ich mehrmals, auch unter Zuhilfenahme von Google Maps, kontrolliert, um so viele Probleme wie möglich im Vorfeld auszuschließen. Die fertigen Tagesetappen stellte ich für alle verfügbar im Blog zum Download bereit, so konnte sich jeder die Routen vorher in Ruhe anschauen.

Nun kam eine schier nicht enden wollende Zeit des Wartens auf den Tourstart. In dieser Zeit stellte ich noch viele Tourinfos in den Blog, so hatte man schon mal was zum Träumen. In Italien wütete im Frühjahr ein Unwetter mit unglaublicher Wucht. Gerade die Regionen Abruzzen, Emilia Romagna und Toskana waren stark betroffen. Es gab riesige Erdrutsche und Erdverwerfungen, komplette Straßen wurden unterspült und weggerissen, was wir später live erfahren mussten. Die Langzeit-Wetterprognosen kündigten nicht die besten Voraussetzungen an. Die Alpenpässe wurden erst kurz vor dem Start geöffnet, da der Frost hartnäckig die Berge im Griff hielt. Bis zum Start blieb das Spiel mit dem Wetter spannend.

Da ich schon viele Touren geführt habe, träumte ich schon länger von einer Intercom Anlage, damit ich mit einem Teilnehmer in den hinteren Reihen kommunizieren kann. Vernünftige Anlagen kosten aber eine Menge Kohle, und dazu war ich bisher immer zu geizig. Ich sprach darüber mit Jochem und Harry, die auch beide der Meinung waren, dass solch eine Technik gerade bei längeren Touren Sinn macht. Während einer 2-Tage-Tour testeten wir eine günstige Anlage aus dem Reich des Drachen, stellten aber schnell fest, dass es nicht die richtige Lösung ist. Schweren Herzens haben Harry und ich die hochwertige Anlage von Cardo G9X gekauft, und Jochem besorgte sich das System von Nolan passend für seinen Helm. Für mich als RC war Intercom eine wichtige Hilfe und Erleichterung während der Tour. Ich konnte gerade bei jeder Abfahrt und innerhalb von Knotenpunkten ständig Kontakt zu Harry halten, und bekam Informationen, wie es hinten läuft. Die Teilnehmer haben oftmals gar nicht mitbekommen, dass wir viele Stopps ohne diese Technik gehabt hätten. Der kleine, spaßige Nebeneffekt war, dass wir uns natürlich auch andere Geschichten erzählen konnten, und was das bei der Hafenschlampe heißt, könnt ihr euch ja denken.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, immer mit dem bangenden Gedanken, ob auch alles aufgrund der Wetterkapriolen in der Praxis funktioniert, rückte der Start endlich näher. Die Anreise war schnell geplant, wir trafen uns alle zusammen in Baden-Württemberg knapp 100 km vor unserem ersten Ziel Nellingen, und fuhren den letzten Teil gemeinsam. Auch die Wetterprognosen waren kurz vor dem Start nicht mehr ganz so mies. Ein kleiner Schatten legte sich über unsere Vorfreude, als mich Jürgen Samstags vor Tourstart anrief. Er wollte Freitags zum SST anreisen, und bei der Fahrt über die Autobahn erlitt sein Moped einen kapitalen Motorschaden. Alle Versuche halfen nichts, Jürgen konnte nicht mitfahren, was mir bis jetzt sehr leid tut. Aber nächstes Jahr bist Du bestimmt wieder dabei.

Eine Woche vor Start war einer meiner Zähne der Meinung, ganz spezielle Aufmerksamkeit bekommen zu müssen. Nach den ersten Vorzeichen bin ich dann gleich zum Doc gerannt, um Schlimmeres zu vermeiden, da fing das Drama erst richtig an. Jedenfalls meinte der Zahnschrauber ganz cool, dass ich die Tour vergessen könnte, denn so schnell würde er das Problem nicht beseitigen können. Nach kurzen Kernsätzen meinerseits, er soll rausreißen oder sonst was machen, zog er mir kurzerhand den Nerv, woran ich die ganze Tour über denken durfte, denn nach dem ersten Schmerz kam die Entzündung. Aber ich bin die Tour gefahren, und nur das zählt für mich.

 

Kurz vor dem Start gab es wieder ein Briefing für alle Teilnehmer als Einschwörung auf die Tour:

Morgendlicher Start

Wir starten morgens um spätestens 09:00 (außer Anreisetag). Also gilt es, den Bier-, Wein- und CR-Pegel entsprechend auszubalancieren.

Autobahn

Betrifft nur An- und Abreise. Wenn es der Verkehr erlaubt, werden wir auf der Autobahn eine Reisegeschwindigkeit von etwa 110 km (echten laut Navi) ansetzen. Damit quält keiner sein Moped, der Spritverbrauch liegt im normalen Bereich, und auch ohne Windschild ist die Geschwindigkeit gut zu ertragen. Pinkel- und Raucherpausen machen wir nach max. 1,5 h, bei der Anreise habe ich schon entsprechende Rastplätze in der Tourplanung mit eingebaut.

Landstraßen / Pässe

Hier gilt vor allem, der Weg ist das Ziel. Wir fahren alle mit großen Gepäck, daher werden wir die Geschwindigkeit den Gegebenheiten anpassen, frei dem Motto „wir wollen nicht rasen, sondern heil ankommen“. Offene und gut ausgebaute Strecken können wir nutzen, um zügig voran zu kommen. Auf den Pässen oder bei Kehren und Schleifen brauchen wir mehr Zeit.

Tanken

Hier richten wir uns nach dem Motorrad mit der geringsten Reichweite. In Nellingen können wir kurz absprechen, wer wie weit kommt, und dementsprechend planen wir Tankstopps, natürlich nach Verfügbarkeit der Tankstellen lieber etwas früher. Bitte plant für´s Tanken Bargeld ein. Gerade bei kleinen Tankstellen ist es nicht immer möglich, mit Plastik zu zahlen.

Kolonne fahren

Kennt jeder, weiß jeder, trotzdem der Hinweis, dass jeder sich an die bekannten Regeln für das Kolonne fahren hält. Vor allem was das Aufschließen betrifft, falls jemand aus der Kolonne austritt. Wer unsicher ist, einfach nachfragen. Und eine Bitte: lasst den Abstand zum Vordermann nicht zu groß werden, damit wir möglichst eng beieinander bleiben.

Gruppengröße

Mein Wunsch ist es, dass wir mit der kompletten Mannschaft fahren, das sollte bei 8 Motorrädern kein Problem werden. Sollten wir aber während der Tour feststellen, dass eine kleine Gruppe relaxter und einfacher ist, können wir 2 Gruppen je 4 Mopeds bilden.

Zeiten mit Pausen und Essen

Wir haben ein kerniges Tagesprogramm, ich rechne mit min. 6 bis 8 Stunden reine Fahrzeit am Tag. Dazu kommen Pausen. Spätestens nach 1,5 h machen wir eine Pinkel- und Raucherpause von etwa 15 min, damit wir nicht in der Nacht ankommen  Bei 4 bis 5 Pausen am Tag würden wir etwa 8 bis 10 Stunden „on The Road“ sein. Mittags werden wir keine Siesta abhalten, damit wir zum Abend hin nicht zu spät werden. Bei unseren Unterkünften hatte ich bereits nachgefragt, entweder ist in der Unterkunft oder in direkter Nähe die Möglichkeit zum Essen gegeben. Ideal wäre es, wenn jeder für den Tag was dabei hat. Ich selber werde schauen, dass ich mir Obst und Wasser organisiere, damit komme ich bis abends gut klar. Und wenn es gut läuft, können wir die Pausen, gerade mittags, auch erweitern. Natürlich ist das alles reine Theorie, und es sind noch keine Zwangspausen berücksichtigt, wir werden am Tag immer entscheiden, wie wir klar kommen.

Fotos

Das wird (leider) die größte Herausforderung. Wenn wir den Ansatz haben, alles Schöne auf der Tour fotografieren zu wollen, und bei jedem „Highlight“ mit 8 Motorrädern anhalten, werden wir vermutlich nie ankommen. Lasst uns hier ruhig in Nellingen noch mal drüber sprechen, wir hätten natürlich schon gerne so viele, tolle Fotos wie möglich. Jochem hat schon angekündigt, wieder während der Fahrt Fotos mit der GoPro zu machen, das alleine werden atemberaubende Aufnahmen von Landschaft und Strecke.

Abendessen

In einigen Unterkünften genießen wir bereits Halbpension, oder es ist in der Unterkunft bzw. in erreichbarer Nähe eine Möglichkeit zum Essen vorhanden.

Zimmerbezahlung

In der Kostenaufstellung habe ich bei den Unterkünften vermerkt, wie bezahlt werden kann. Gerade bei den Agriturismo ist überwiegend nur Bargeld möglich. Selbst wenn Zahlung mit Kreditkarte möglich ist, werden wir nicht einzeln, sondern nur gesamt oder nach Zimmern getrennt zahlen können. Persönliche Ausgaben sollte jeder gleich separat abrechnen, damit es am nächsten Morgen kein Chaos gibt. Aus der Erfahrung daher mein Rat, genügend Bargeld für die Zahlung der Hotels im Ausland mitzunehmen, dann gibt es weniger Stress.

Unser Blog

Klaus, Jochem und ich werden versuchen, während der Tour Beiträge zu bloggen. Das ist gerade am Tag nicht einfach mangels Zeit, verfügbarem Handynetz und möglicher Sonnen-blendung. Auf ausführliche Texte werden wir unterwegs verzichten und uns auf Bilder konzentrieren. Wenn abends in den Hotels eine Gelegenheit besteht, mit einem PC ins Internet zu kommen, können wir die Beiträge evtl. noch nachbearbeiten und erweitern.

Spaß

Das ist das wichtigste Ziel der ganzen Tour. Und den wünsche ich uns allen. Das, was wir zusammen erleben, soll wieder ein einmaliges Event und ein megageiles Abenteuer werden, von dem wir noch lange reden…

Unvorhersehbares

Wird nicht passieren, aber sollte dennoch etwas vorkommen, was wir heute noch nicht wissen, sind wir alle alt genug, entsprechend zu reagieren und Lösungen zu suchen. Jeder hat eine Liste mit allen Mobilnummern, so können wir uns jederzeit erreichen. Für die Tour haben wir eine INTERCOM Anlage angeschafft. Wir hoffen, dass die Technik reibungslos funktioniert, so besteht dann die Möglichkeit, im Bedarfsfall aus den hinteren Reihen Informationen an den RC zu geben.

In eigener Sache

Letztes Jahr August habe ich mit der Planung begonnen, und viel Zeit und Energie ins „Feintuning“ gesteckt. Trotzdem kann es sein, dass die geplante Theorie in der Praxis anders aussieht, oder dass etwas nicht 100% funktioniert. Bitte seid in solchen Momenten gnädig mit mir, ich verdiene nicht mein Geld als Reiseveranstalter, sondern mache es für uns alle aus reiner Freude heraus. Übrigens gibt es auch keinen Reisesicherungsschein oder einen Veranstalter, bei dem man sich beschweren kann 

So, und jetzt gilt es, die letzten Tage zu verbrennen, die Gleitcreme ins Schminktäschchen zu packen, und das kurze Schwarze für Mittwoch bereit zu legen, damit es endlich losgeht zur…

Meine Motivation zum Tourbook

Das Tourbook ist mein Geschenk an Euch. Ich wünsche Allen viel Spaß damit, es soll Euch als tolle Erinnerung an unser großes Abenteuer dienen, auch wenn es aus meiner Sicht geschrieben ist. Ich für meinen Teil bedanke mich bei allen Teilnehmern, wir waren eine tolle Truppe, ich würde mit Euch jederzeit wieder losstechen.

Widmung

Lieber Dietmar und Jürgen, dieses Tourbook ist Euch beiden gewidmet, weil Ihr leider nur in unseren Herzen und Gedanken mitfahren konntet. Möge es Euch so viel Kraft und Freude bereiten, dass wir bald wieder gemeinsam auf Tour gehen…

 

Apennin- / Toskanatour 2014 – Die Eckdaten

Reisezeit:                                 25.06. bis 06.07.2014
Anzahl Motorräder:          7
Anzahl Personen:               7 (plus 2 im Herzen)
Reisetage:                              12
Übernachtungen:              11
Planung / Orga:                   Frank
Routenplaner:                      Frank
Road Captain:                      Frank
Tourlänge ab NRW:         4.138 km
Hotels am Meer / See:    4
Hotels mit Pool:                 4
Hotels mit Whisky:          1
Flüssigkeitsverbrauch:   keine Angabe

Tagesetappen

01. Tag 25.06. Nettetal bis Nellingen                     AB / Land         512 km *
02. Tag 26.06. Nellingen bis Nauders                     Landstraße     334 km
03. Tag 27.06. Nauders bis Malcesine                    Landstraße     301 km
04. Tag 28.06. Malcesine bis Presaro                      Landstraße     368 km
05. Tag 29.06. Pesaro bis Crognaleto                     Landstraße      292 km
06. Tag 30.06. Tagestour Adria oder relaxen     Landstraße     180 km
07. Tag 01.07. Crognaleto bis Castiglione d´O. Landstraße     324 km
08. Tag 02.07. Castiglione d´O. bis Gaggio M.    Landstraße     328 km
09. Tag 03.07. Gaggio Montano bis Levanto       Landstraße     302 km
10. Tag 04.07. Levanto bis Verceia                           Landstraße     341 km
11. Tag 05.07. Verceia bis Nellingen                        Landstraße    363 km
12. Tag 06.07. Nellingen bis Nettetal                      AB                       503 km *
* die anderen Bundesländer haben eine abweichende An- und Abreise
_                                                                                                                Gesamt 4.138 km

Bereiste Länder

Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Liechtenstein

Teilnehmer

ATT2014 Frank VK ATT2014 Harry VK

ATT2014 Klaus2 VK ATT2014 Dietmar VK

ATT2014 HaJo VK ATT2014 Heinz VK

ATT2014 Jochem VK

Im Herzen dabei

ATT2014 Dietmar 2 VK ATT2014 Juergen VK

Was soll ich nur schreiben

Es ist nicht möglich, auch nur annähernd die Masse an Eindrücken in Worte zu fassen. Vor allem hat ja jeder Teilnehmer eigene, andere Erfahrungen gemacht. Wo fange ich an?

• wieder bei der tollen Truppe, die wir waren?
• oder bei den unglaublich beeindruckenden Landschaften, die wir durchfuhren?
• bei den gefühlten hunderttausend Kurven, Kehren und Schleifen, die wir genossen?
• bei den Künsten italienischer Autofahrer und Carabinieri?
• bei den Straßen, die manchmal gar keine mehr waren?
• bei den leckeren Köstlichkeiten, die wir verzehren durften?
• bei den einzigartigen Unterkünften, die wir besetzen durften?
• bei den tausenden Höhenmetern, die wir überwanden?
• bei den vielen, netten Episoden, Pleiten, Pech und Pannen, die wir erlebten, und die zum Glück alle gut verlaufen sind?

Ich habe mich daher entschlossen, den Tourverlauf möglichst knapp zu umschreiben, sonst würde das Tourbook sicherlich auf mehrere hundert Seiten anschwellen und auch erst in Jahren fertig werden.

Alle, die dabei waren, werden die unzähligen Momente in Erinnerung halten, und ihre eigenen Erfahrungen dazu denken, und sich sicherlich noch sehr oft und sehr gerne daran erinnern, und darüber erzählen.

ATT2014 Frank 001

Prost und see you… Eure “Oma” Frank

 

1. Tag 25.06. Nettetal bis Nellingen, AB + Land, 490 km ab NR

Erster Kaffee morgens um 05:00, ich kann es gar nicht mehr abwarten zu starten. Das Moped hatte ich schon am Vorabend gepackt, jetzt noch mal alles im Gedanken durchgehen, überlegen, ob ich was vergessen habe, und noch mehr Kaffee trinken. Um 07:30 hält mich nichts mehr, ich muss los. Ich verabschiede mich von meinen Sohnemann und meiner Frau, das fällt schon schwer, denn keiner weiß, was bei einer so langen Tour passieren kann. Und dann ist es so weit, der V2 startet, ich habe Gänsehaut, nicht wegen der noch spürbaren Kälte, sondern wegen der Vorstellung, was uns die nächsten Tage für Abenteuer erwarten.

Um 07:45 stehe ich am Treffpunkt Hotel Schänzchen Es fühlt sich noch ein wenig kühl und feucht an, und ich bin alleine. Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf, hast Du alles richtig geplant, sind alle Hotels informiert, sind alle wichtigen Unterlagen dabei. Ich spüre auf meinen Schultern die große Last und Verantwortung für die nächsten 12 Tage, Schon reißt mich ein V2-Motorengeräusch aus meinen Gedanken, eine beige / schwarze VN800 kommt auf den Parkplatz, vollgepackt bis oben hin. Ja, es ist die Hafenschlampe Harry, cool, denke ich, nicht mehr alleine. Unmittelbar danach steht auch Jochem neben uns. Und eine ganz tolle Überraschung näherte sich in einem weißen Fiesta. Es ist Markus, der uns persönlich zu unserem großen Abenteuer verabschieden will. Die Begrüßung fällt herzlich aus, lange habe ich Markus nicht gesehen und vermisst, um so mehr freut es mich, dass er jetzt hier steht. Schade, dass Du nicht mitfährst, aber bei einer anderen Tour fahren wir bestimmt wieder zusammen.

Es ist Zeit aufzubrechen, um 08:15 dröhnen das erste Mal unsere 3 Motoren zusammen und fordern den Aufbruch. Ein letztes Winken an Markus, und schon sind wir unterwegs nach Mundelsheim, unserem nächsten Treffpunkt. Die Fahrt über die Autobahn ist unspektakulär, so haben wir noch mal genügend Zeit, unsere Intercom Anlage zu testen. Aktivieren können wir die Funktion über eine Sprachsteuerung mit den Ansagen „Rufe Intercom“ oder „Harry Vulcan“. Diese beiden Ansagen werden uns die ganzen Tage begleiten, und für einiges Schmunzeln beim Losfahren vor Ampeln oder auf Parkplätzen sorgen.

Zwei Kaffeepausen machen wir, und als wenn es ein Ritual bei unserer Anfahrt ist, will Harry noch mal den Standstreifen auf der Autobahn testen. Bei der letzten Abfahrt vom Parkplatz liegt seine Brille noch auf dem Gepäck, zum Glück ist sie noch da. Schon erreichen wir den vereinbarten Treffpunkt gegen 13:15, wir sind früh. Das bekommt durch unsere Beiträge im Blog auch Dietmar mit, auch ihn hält nichts mehr zu Hause, und so trifft er kurz nach unserer Ankunft auch am Treff ein. Nach und nach stoßen die Anderen dazu, Heinz, Klaus und HaJö. Jetzt sind wir alle zusammen, und gemeinsam machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel Nellingen. Nicht ganz, denn HaJö sucht erst mal seine Brille, was zu einem festen Bestandteil und Ritual der ganzen Tour bei unseren Abfahrten werden soll. HaJö, deine natürliche Verstrahltheit ist einzigartig, und absolut liebenswert, mach weiter so. Wir kommen früh an, war auch so beabsichtigt, wollen wir doch einen schönen Abend zusammen genießen. Und da wir ja schon mal in einer Whisky Brennerei nächtigen, wollen wir natürlich auch wissen, was hier so gut riecht.

Die beiden Inhaber Eva-Maria und Hans-Gerhard empfangen uns ganz herzlich, als wenn wir schon zur Familie gehören, dabei war ich erst einmal vor 2 Jahren mit Jens hier. Da müssen wir doch einen guten Eindruck hinterlassen haben, oder war es nur unsere Getränkerechnung in entsprechender Höhe? Natürlich nicht, denn die beiden sind so süß, dass wir echt das Gefühl haben, zu Hause zu sein. Als erstes trinken wir ohne auspacken und umziehen ein leckeres, kühles Bier, auch dieses Ritual behalten wir bei den künftigen Ankünften bei. Nach einer erfrischenden Dusche und weiteren Bierchen nagt der Hunger an unseren ausgemergelten Körpern, es war schließlich ein Tag voller Entbehrungen und Strapazen, und Eva-Maria´s Team lässt uns nicht im Stich. Das Essen schmeckt hervorragend und ist reichlich, und die anschließenden Brände in Form von verschiedensten Destillaten des schwäbischen Highland Whisky´s Finch verbreiten ein wohliges Gefühl in der Magengegend. Wir sitzen noch lange draußen, und da es mittlerweile ein wenig schattig ist, ziehen wir uns in die Hütte neben dem Biergarten zurück. Aber das Sandmännchen ist dann doch stärker als der Manneswille, und nach und nach verschwinden alle in ihren Kemenaten. Die erste Nacht unseres Abenteuers bricht über uns herein….

Unser Quartier für die Nacht:

Landgasthof Krone
Aicherstr. 7
89191 Nellingen
Tel.: 07337/96960
Web: www.landgasthof-krone.eu
Email: info@landgasthof-krone.eu

2. Tag 26.06. Nellingen bis Nauders, Land, 334 km

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Geplante Abfahrt 09:00. Klar, ich sitz schon um 05:00 kerzengerade im Bett. Meine Hafenschlampe ist auch schon wach, so ein Mist, eine Stunde Schlaf wär ja noch schön. Egal, ich bin eh viel zu aufgeregt, also den Waschgang einschalten und fertig machen. Frühstück gibt es erst um 07:30, bleibt noch genug Zeit, durch die Gegend zu schlüren und die nächsten Tage im Gedanken zu durchlaufen. Nach einem guten, ausgiebigen Frühstück sind alle Mopeds gepackt, und wir brechen um 09:00 auf zu unserem nächsten Ziel. Nauders steht heute auf dem Programm, und schon die Fahrt dahin soll spannend werden.

Nach der schwäbischen Alp habe ich ein paar unbekannte, wunderschöne Sträßchen mitten durch das Allgäu ausgesucht. Fast auto- und menschenleer schwingen wir durch diese sanfte Landschaft, das Allgäu ist wirklich etwas zu kitschig dargestellt, das glaubt den Landschaftsgestaltern von Disneyland eh kein Mensch, dass das echt sein soll. Nach dem traumhaften Oberjochpass machen wir eine kurze Rast an einer Jause, wir sind bereits in Österreich. Ein paar hausgemachte Mettwürste als Stärkung, ein leckerer Kaffee als Warmmacher, denn noch ist es recht frisch, und eine gesalzene Rechnung wie in einem 5-Sterne Hotel, und wir machen uns auf zum nächsten Höhepunkt. Wir befahren das Hahntennjoch, mit dem ich eh noch eine Rechnung offen hatte. Heute bei wunderschönstem Sonnenschein ist das Joch einfach herrlich zu fahren, und wir beide sind wieder miteinander versöhnt. Weiter geht es vorbei an wildromantischen Landschaften zu einem kurzen Abstecher in die Schweiz. Wenn, wollen wir ja alles Schöne auf der Tour mitnehmen, also besteigen wir die Norbertshöhe als Anfahrt nach Nauders, und erreichen bei wunderschönstem Wetter unser Ziel Hotel Edelweiß.

Wieder werden wir herzlich empfangen von Marina, als wenn wir hier zu Hause wären. Und sie hat gleich eine Überraschung. Um uns eine Freude zu machen, hat das Hotel einen Grillabend vorbereitet, wenn das mal nicht perfekt ist. Aber erst mal ein kühles Bier, bevor wir uns in die Zimmer verteilen und frisch machen.

Heute Abend spielt Deutschland, aber vorher wollen wir uns richtig stärken. Das Barbecue ist einsame Spitze, sehr leckeres und zartes Fleisch, tolle Beilagen, rundum geil, Das Spiel wird innen vor einer großen Leinwand übertragen. Als ich einen Teil unsere Jungs da so sitzen sehe, muss ich schmunzeln. Hat was von den 70´er Jahren, so wie die da malerisch auf den Stühlen verteilt sind. Ich warte draußen bei einem leckeren Bierchen, und es dauert nicht lange, da sind wir alle wieder beisammen. Nach dem einen oder anderen Kaltgetränk werden die Augenlieder ganz schwer, und ich verabschiede mich in die (nicht ewigen) Jagdgründe.

Unser Quartier für die Nacht:

Hotel Edelweiss
Fam. Köllemann
Nauders 256
(Reschen Str. / Ecke Spitzwiesenweg)
A-6543 Nauders am Rechenpass
Tel.: 0043/5473/87252
Web: www.edelweiss-nauders.at
Email: info@edelweiss-nauders.at

3. Tag 27.06. Nauders bis Malcesine, Land, 301 km

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Geplante Abfahrt 09:00. Und klar bin ich schon wieder zu früh wach, es ist 04:30. Meinem Liebsten geht es auch nicht anders, aber wir versuchen, noch ein paar Mal das Bett zu drehen. Bringt nichts, also ab in die Waschmaschine, und Nauders erkunden. Der Himmel verspricht wieder Gutes, und einen Vorteil hat die frühe Morgenstund. Alles ist still und ruhig, perfekt um in sich zu gehen und Kraft zu tanken. Um 07:30 gehen Harry und ich zum Frühstück, Dietmar und Jochem sind auch schon da. Klaus und Heinz sind ein paar Minuten danach am Tisch, und so entscheiden wir, ruhig ein paar Minuten früher zu starten. Nur HaJö kann nicht so schnell umprogrammieren, also ging es doch kurz vor 09:00 los zu unserem nächsten Ziel Gardasee.

Nur ein paar Meter bis zum Rechensee und es geht los Wir nehmen das Stilfser Joch unter die Reifen. Obwohl ich das Joch schon kenne, ist es immer wieder beeindruckend, wie Menschen so viele Kehren hintereinander in den Hang bauen können, ein Aufzug wäre sicherlich der leichtere Weg. Für uns Kurvenjunkies natürlich genau richtig, und das bei bestem Wetter. Und es ist kaum

jemand unterwegs. An der Passhöhe angekommen, steht natürlich erst mal der obligatorische Fototermin an, die Aussicht ist einfach immer wieder beeindruckend. Und Schnee liegt auch noch genug rechts und links des Weges, was will Biker mehr. Nach dem Stilfser Joch wird es wärmer, sogar schon mediterran. Also ziehe ich dicke Jacke und Fließ aus und werfe mir meine Lederweste über´s Shirt. Das wird übrigens bis zum vorletzten Tag meine Bekleidung bleiben. Ja, ich weiß, dass es unvernünftig ist, und über die Folgen bin mir bewusst, wenn ich mich lege. Aber ich bin Raucher, und das fördert auch nicht unbedingt die Gesundheit. Was mir beim Entblößen meines Körpers entfallen ist, dass wir noch den Passo Gavia mit 2.652 m vor uns haben, den hab ich glatt vergessen. Heinz tut mir gleich, und fährt auch im Shirt weiter. Ich verspreche ihm, sollte es doch unangenehm kälter werden, halte ich an. Na ja, sagen kann man viel. Und schon verfliegt die mediterrane Wärme, und der Pass hat gefühlte 3 Grad Celsius. Ihr glaubt doch nicht, dass ich jetzt anhalte? Die Blöße gebe ich mir nicht, also fahre ich weiter. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis wir wieder angenehmere Temperaturen erreichen. Bei unserer nächsten Pause kann ich immer noch Eiswürfel pinkeln. Heinz sieht trotz seinem Windschild auch nicht wohltemperiert aus, aber er hat zumindest eines vor der Brust. Egal, wir zwei sind auf jeden Fall im wahrsten Sinne des Wortes die Coolen, wer fährt schon sonst bei 3 Grad im T-Shirt über´n Pass. Die Strecke ist traumhaft, schön geschwungene Straßen, guter Belag, und eine atemberaubende Landschaft, dieses Attribut werde ich leider noch viel öfter verwenden müssen.

Bei unserer letzten Pause vor dem Gardasee passiert dann ein (kleines) Missgeschick. Mir fährt der Schreck in alle Glieder, mittlerweile bin ich auch wieder aufgetaut. Das Ergebnis einer fehlenden Sekunde sind 3 getunte Fender, ein nach Colani geformter Lenker und Sturzbügel, und weitere Blessuren. Nach dem ersten, großen Schreck lecken wir die Wunden und machen alles wieder flott. Nach der kurzen Zwangspause erreichen wir im Regen, aber ohne weitere Zwischenfälle unser Hotel am Gardasee. Wichtig an dieser Stelle ist, dass wir viele, gute Schutzengel dabei haben, die auf uns aufpassen, und nichts Schlimmes passiert ist. Im Hotel ist eine kleine, eingerichtet Werkstatt, die wir ausgiebig nutzen, bis alles wieder an dem

Platz ist, wo es hingehört. Natürlich haben wir als erstes bei Ankunft ein kühles Bier getrunken.

Unser Zimmer hat einen tollen Blick direkt auf den Gardasee, und das Hotel ist für uns bestens ausgestattet mit Garage und Werkstatt. Nach einer Frischekur auf den Zimmern gehen wir zu einem uns empfohlenen Restaurant in der Altstadt von Malcesine. Ein toller Tipp, das Essen ist super lecker und frisch, die Portionen sind riesig, die Bedienung ist locker drauf und einfach nur nett, die Preise sind für den Gardasee sehr günstig, und eine Grappa-Flatrate ohne Aufpreis gibt es auch noch. Nach dem kleinen Schock bei der Anfahrt, hören wir nach dem vierten Grappa lieber auf, wir wollen ja morgen ausgeruht auf den Böcken sitzen. Auf dem Rückweg schlendern wir am Hafen vorbei, und an der Eisdiele kommt dann der eine oder andere doch noch mal zum Stehen. Es gab ja auch wirklich schon lange nichts Nahrhaftes mehr, und wer weiß, wann wir die nächste Gelegenheit bekommen.

Unser Quartier für die Nacht:

Hotel Villa Alba
Via Gardesana 196
I- 37018 Malcesine
Tel.: 0039/045/7400277
Mobil: 0039/3807098140
Web: www.motorradhotel.it
Email: info@hotelvillaalba.it

4. Tag 28.06. Malcesine bis Pesaro, Land, 368 km

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Geplante Abfahrt 08:30, wir haben gelernt, und diese Zeit halten wir auch für die nächsten Tage fest. Und wie soll es anders sein, um 04:00 kommt Unruhe bei mir auf. Ich zwinge mich noch bis 05:00 liegen zu bleiben, mein Bettabschnittsgenosse hat auch seinen Tiefschlaf bereits beendet. Wasser marsch, und ein wenig die Beine vertreten in Malcesine bis zum Frühstück. Frau Krehnslehner führt das Hotel, eine liebenswerte, aber bestimmende Persönlichkeit, und hat alles fest im Griff. So auch das Frühstück, welches ich nur mit dem Attribut perfekt bezeichnen kann. Eine große Vielfalt, mit viel Liebe im Detail zubereitet, so fängt der Morgen richtig gut an. Und beim Essen den Blick auf den See, aber halt, was sehen meine Augen noch? Sieht nicht nur so aus, es ist Regen, und auch nicht wenig. Über Nacht hat sich alles zugezogen, und nun schüttet es aus Eimern.

Unsere Lederfraktion hat heute Morgen neben dem Moped packen noch eine weitere Pflichtübung auf dem Programm, den Regenhosenanziehtanz. Sieht schon lustig aus, wenn 3 Michelin Männchen durch die Garage hoppeln und tanzen.

Wie gut, dass ich bei solchen Touren nur noch Textil mit Membrane anziehe. Wir starten pünktlich, und wir bekommen die ersten 30 km das volle Programm. Regen satt, wir könnten auch ohne Probleme die Strecke mit Kanus bewältigen. Aber der Regen hört auf, und es wird wärmer, viel wärmer. Zum Leidwesen unserer Gummimänner, denn ich mache die erste Pause erst nach 1,5 Stunden. Erst mal das Latex runter und durchatmen, und schon geht es weiter. Die Strecke durch die Po-Ebene ist langweilig und langatmig, ein kleines Highlight habe ich direkt am Po eingebaut, Wir fahren eine Zeit lang oben auf dem Deich direkt am Fluss entlang. Eine Sperrung der Straße mit einer mir nicht erklärbaren Fremdsprache ignoriere ich dezent. Auf dem Weg zur Adria dann eine Polizeikontrolle. Heinz und ich können weiter fahren, aber gleich hinter uns wird Dietmar bildlich gesprochen vom Moped runter gerissen, und bis auf Harry müssen die Anderen auch anhalten. Ein „dieses Wort wird zensiert“ von Polizist fühlt sich wohl von Dietmar provoziert, weil wir in der Kolone fahren, und er nicht überholen kann (auf der Straße herrscht wie fast überall in Italien Überholverbot!). Aus der Ferne sieht es so aus, als wenn er gleich handgreiflich wird. Er meint, den Anderen erklären zu müssen, dass in Italien Kolone fahren nicht erlaubt sei. Ne klar, die Gruppen von 50 Fahrradfahrern, die uns ständig begegnen, fahren alle brav hintereinander, und überhaupt, in Italien hält sich ja jeder ganz beflissen an die Verkehrsregeln. So ein aufgeblasener Spinner, der sollte mal lieber irgendwo seinen Druck abbauen, es vielleicht mal mit Sex oder Angeln versuchen. Es bleibt bei einer Verwarnung, und auf den nächsten paar tausend Kilometern haben wir das Problem mit rechtswidriger Kolonenfahrerei nicht wieder gehabt. Aber so sind sie halt, die kleinen Italiener. Vom Herzen her sehr freundlich und hilfsbereit, im alltäglichen Umgang entspannt und nett, aber du darfst ihnen kein Lenkrad in die Hand geben, dann ist ein wütender Stier nichts dagegen.

Wir sind an der Atlantikküste angekommen. In Rimini flanieren wir an der Promenade vorbei. Das kann man sich auch sparen, Verkehrschaos pur und sehen tut man auch nicht viel. Aber so bekommen wir ein Gefühl für den chaotischen, italienischen Straßenverkehr in einer pulsierenden Hafenstadt. Einfach mit schwimmen, nur nicht anhalten, so kommt man am besten weiter. Wir erreichen die Strada Panoramica Adriatica. Diese Traumstraße schlängelt sich auf einer beachtlichen Höhe direkt an der Küste entlang und gewährt uns immer wieder tolle Blicke auf das Meer und die kleinen Häuser am Hang. Wir erreichen unser heutiges Ziel Hotel Clipper im Hafenstädtchen Pesaro, direkt an der Promenade gelegen. Natürlich zischt erst mal ein Bier in der Lobby nach dem hitzigen Tag, bevor wir uns auf den Zimmern vergnügen.

Frisch kultiviert gehen Harry und ich die Promenade entlang, um ein geeignetes Lokal für heute Abend klar zu machen. Vom Hotel haben wir wieder einen Tipp bekommen. Zu unserem Erschrecken ist kein Tisch frei, klar, wir haben Samstagabend in einer pulsierenden Hafenstadt direkt an der Adria. Geplant war Essen um 20:30, einen Tisch bekommen wir erst für 22:00. Das müssen wir noch den Anderen beibringen, aber ist halt so, und ich finde es auch nicht so schlimm, wir sind ja nicht auf der Flucht. Wir nutzen die Zeit, um am Strand vorbei zu laufen und noch einen Aperitif zu uns zu nehmen. Unglaublich, wie viele Liegestühle auf einen Quadratmeter passen. So nett die Atmosphäre auch ist, hier würde ich nicht mal einen Urlaubsgutschein einlösen wollen, zu viele Menschen auf zu engem Raum, und dann noch ausschließlich Italiener. In der Sonne baden und sich dabei drehen geht nur, wenn einer ein Kommando gibt und sich alle Strandbewohner gleichzeitig wenden, sonst gibt es auch am Strand das gleiche „Verkehrschaos“ wie auf den Straßen.

Um 21:30 ist unser Tisch doch schon frei, wir sitzen gleich an der Promenade am Wasser, also heißt es, was Gutes aus der Karte picken und genießen. Ein paar Karaffen Wein sind schnell auf dem Tisch, und das Essen geht auch fix. Und die Qualität ist hervorragend, alles frisch und geschmacklich super. Im Hotel noch schnell einen Absacker trinken, und schon ruft unser lieb gewonnenes Ehebett nach Seligkeit. Zufrieden und erschöpft schlummern wir in die Nacht an der Adria…

Unser Quartier für die Nacht

Hotel Clipper
Viale Guglielmo Marconi, 53
I – 61100 Pesaro
Tel.: 0039/721/30915
Web: www.hotelclipper.it
Email: info@hotelclipper.it

5. Tag 29.06. Pesaro bis Grognaleto, Land, 292 km

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Geplante Abfahrt 08:30, aber warum schon wieder um 05:00 wach? Ich gehe definitiv zu früh schlafen, zu Hause komme ich nie vor 01:00 ins Bett. Ich bin aber abends echt platt. Es ist schon eine Tortur, die wir da über uns ergehen lassen, aber gut, wir sind hart im Nehmen und kommen da durch. Mit meiner Hafenschlampe spaziere ich bis zum Frühstück an der Promenade vorbei, der Himmel verheißt super Wetter Wir sind alleine, von einem einsamen Straßenfeger mal abgesehen. Klar, wer ist auch so bescheuert, und rennt um diese Zeit freiwillig in der Gegend rum, wo die letzten um 04:00 morgens lauthals die Party beendet haben.

Das Frühstück ist super lecker und reichhaltig, das wird für die nächsten Tage in der Einsamkeit nicht mehr so sein, aber das wissen wir jetzt noch nicht. Wir genießen die vielen Köstlichkeiten und satteln anschließend auf den bewachten Parkplätzen unsere Rösser. Pünktlich brechen wir auf zu unserem nächsten Ziel, die Wolfshöhle in den Abruzzen. Die nächsten Tage wird uns die einsame Bergwelt des Apennin begleiten,

ein absoluter Kontrast zum quirligen Leben an der Küste. Heute ist es ziemlich heiß, den ganzen Tag haben wir bis 35 Grad im Schatten. Wir folgen noch eine Zeit lang der Adria, bis wir Richtung Einsamkeit abbiegen. Moment, noch nicht ganz. Es ist Sonntag, und wir durchqueren eine der schönsten Flecken Erde, den Nationalpark Monte Sibillini mit seiner beeindruckenden, sagenumwobenen Hochebene, die gerne mit Tibet verglichen wird. Das kann ich nur bestätigen, denn die Landschaft hier ist einfach nur atemberaubend schön, wäre da nicht der eine oder andere Italiener, der das auch an einem Sonntag sehen möchte. Wir tänzeln mit unseren V2´s ohne Vorahnung durch diese Traumwelt, als plötzlich hinter einer Kurve ein Auto auftaucht, welches am Straßenrand steht. Klar, denke ich als erstes, wieder mal ein Italiener, der einfach da stehen bleibt, wo es ihm passt. Da sehen wir vor diesem Auto ein weiteres stehen, und noch eins, und noch mehr. Wir erkennen in weiter Entfernung eine Bergkuppe, und wie Ameisen wirken die tausenden Fahrzeuge, die bis dahin die Straße säumen. Der Supergau. Bis zur Bergkuppe sind es gefühlte 10 km, und nichts geht mehr, einen Ausweg gibt es nicht. Die Straße ist gerade so breit, das 2 normale PKW nebeneinander vorbei kommen. Dazwischen Massen von Fußgängern, Fahrradfahrern, Motorrädern und Roller. In einiger Entfernung erkennen wir einen Bus, der sich vollkommen in diesem Chaos fest gefahren hat. „Rufe Intercom“ war mal wieder als Kommando an meinen Hirtenhund nötig. Kurzes Go an Harry, dass ich das hier nicht abwarten werde. Denn wir wären vor Montagmorgen niemals hier raus gekommen. Ein beherzter Zug am Gasgriff, und einfach durch die Menge durch. Unglaublich aber wahr. Was wir unten noch nicht wussten, dass sich hinter der Kuppe bergabwärts das gleiche Bild bot. Eine eisenhaltige Schlange von mindestens 10 km Länge, wie auf einer Perlenkette aufgereihte Autos, Reisebusse mitten drin. Egal, da müssen wir durch. Und wir schaffen es. Nach gut 1,5 Stunden liegt das menschgewordene Chaos hinter uns, und das in dieser Affenhitze. Hätten wir gewartet, würden wir vielleicht heute noch da stehen. Die bildlichen Eindrücke dieser Landschaft aber sind gewaltig.

Ab hier sind wir wirklich in der absoluten Einsamkeit angekommen. Stundenlang sehen wir keinen Menschen oder kein Auto. Leider werden auch die Straßen zusehends schlechter. Teilweise fehlt der Asphalt, Erdverwerfungen haben die Straßen in Stücke gerissen und breite Spalten hervor getan, in denen ein komplettes Vorderrad verschwindet. Immer wieder Schotter, um abgesackte Straßenstücke zu überbrücken. Teilweise sind Straßen komplett den Hang runter gerutscht, so dass wir am Bergrücken eng vorbei müssen. Von nun an heißt es, mit größter Aufmerksamkeit fahren und ständig die Straße beobachten.

Im Gegensatz zu den schlechten Straßen ist die Landschaft in den Abruzzen wieder mal atemberaubend schön. Ich bin nicht der Freund von ständigen Wiederholungen, aber viele vergleichbare Attribute für die kommenden Landschaften fallen mir nicht ein. Wir kommen trotz der schlechten Straßen gut voran, und erreichen unser Ziel für heute, La Tana del Lupo, die Wolfshöhle. Unsere Unterkunft liegt direkt gegenüber dem Como Grande, dem höchsten Berg des Apennin, der majestätisch in den Himmel ragt.

Klar zischt erst mal ein kühles Bier, in unseren Klamotten sind wir sicherlich schon gar, aber die Zeit muss sein. Gleich danach hält mich nichts mehr, Klamotten aufs Zimmer und direkt in den Pool. Ab heute haben unsere Unterkünfte große Pools, was eine echte Erfrischung nach einem so anstrengenden Tag bedeutet. Die anderen trudeln auch nach und nach am Pool ein. Gleich noch ein paar Bierchen im Bäuchlein verteilt, und die Körpertemperatur ist wieder auf normalem Niveau. Es ist eine ganz besondere Erfahrung nach den letzten Tagen, in absoluter Ruhe und Einsamkeit, eingebettet in solch eine monumentale Kulisse, in einem luxuriösen Pool ein kaltes Bier zu trinken. Das haben wir uns echt verdient.

Am Abend werden wir von Maria, der Inhaberin der Wolfshöhle, bekocht. Sie ist super lieb und nett, und erfüllt uns (fast) jeden Wunsch. Das Essen ist regional und typisch für die Abruzzen, und sehr schmackhaft und frisch. Klar fehlen die Karaffen Wein nicht auf dem Tisch. Wir verbringen einen gemütlichen Abend auf der Terrasse, und gönnen uns einen Jackie als Abschluss. Aber wie schon an den Abenden zuvor, reißt irgendwer wieder an den Augenliedern, und so wird auch dieser Abend nicht spät, obwohl wir hier 2 Nächte verweilen. Für den nächsten Tag verbleiben wir ganz locker, was die Gestaltung angeht. Für mich ist klar, dass ich fahre, mal schauen, wer mitkommt. Jetzt erst mal ins Reich der Träume abtauchen.

Unser Quartier für die nächsten 2 Nächte

Agriturismo La Tana del Lupo
Cda. Poggio Umbricchio
I-64043 Crognaleto (Teramo)
Tel. 0039/0861/95460 + 0039/347/1098700
Web: www.agriturismolatanadellupo.it
Email: latanadellupo@virgilio.it

 6. Tag 30.06. Tagestour bzw. Relax-Tag, Land, 180 km

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Frühstück gibt es heute ab 08:00, zumindest kann ich heute Morgen bis 05:45 liegen. Das Frühstück ist hier in den Bergen typisch italienisch, ein wenig Brot, Kaffee, Milch zum Kaffee, geräucherten Schinken, Käse, Marmelade und Kuchen. So werden wir das auch die nächsten Tage vorfinden, mit dem Unterschied, dass das Brot jeden Tag um einen Tag älter ist, und nur am Wochenende frisch gebacken wird. Egal, es ist wunderschön hier, also Wasser über das noch taumelnde Haupt geworfen und raus in die Natur. Über Nacht hat es ein schweres Gewitter gegeben, und noch ist alles nass und mit schwarzen Wolken verhangen, ob das was wird mit Moped fahren heute? Keine halbe Stunde später zeigt sich hinter der Bergkuppe ein kleines Stückchen blauer Himmel, innerhalb einer Stunde verbreitet sich das Blau wie ein Geschwür und vertreibt alle Wolken. Bereits zum Frühstück ist alles strahlend blau, und auch schon richtig warm. Genau das wollen wir sehen. Beim Frühstück muss ich nicht fragen, Heinz droht schon gleich mit Moped fahren. Klaus, Jochem und Harry kommen auch mit.

HaJö und Dietmar machen heute einen Relax-Tag, und wir 5 brechen auf zu einer Tour bis zur Adria und zurück durch den Nationalpark Gran Sasso. Die Straßen sind wieder größtenteils in einem schlechten Zustand, dabei sind Schlaglöcher noch das kleinere Übel. Verwerfungen von mehr als einem Meter Höhenunterschied, breite und tiefe Risse in den Fahrbahnen, und immer wieder Schotterstücke mahnen uns zu gemütlicher und überlegter Fahrweise. Dennoch, diese Landschaften entschädigen für alles, einfach nur phantastisch. Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen, und hinter jeder Kurve und jeder Kuppe eine Überraschung. Sei es eine alte Ruine, ein wunderschönes, mehrere hundert Jahre altes Gehöft, kleine, vergessene Dörfer mit in die Jahre gekommenen Einwohnern, die fast schon zum gleichen Stein geworden sind und sich optimal in die Landschaft einpassen. Wir müssen denen vorkommen wie Außerirdische von einem anderen Stern, zumindest folgen uns ihre Blicke lange hinterher. Außerhalb der Dörfer sehen wir nahezu keine Menschen oder Fahrzeuge, alles ist verwunschen und wie ausgestorben, aber dennoch entsteht nicht der Eindruck, dass es verlassen ist, die Natur spielt hier mit allen Reizen. Auf dem Weg zur Adria halten wir noch kurz an einer Apotheke, so ein wenig Mädchen steckt ja doch in jedem harten Kerl. Jochem und Heinz füllen die Vorräte an Lipgloss und Sonnenmilch wieder auf, und beim Losfahren war Klaus so überglücklich, das er sein Moped einfach ohne Ständer abstellt. Mir fiel in diesem Moment nur der Spruch aus dem Film Born to be wild ein „nix passiert“. Später kam dann nur der Kommentar „Klaus, schmeiß doch nicht Dein Moped weg…“.

Die Adria ist hier bedeutend ruhiger als in Pesaro, klar gibt es auch Liegen am Strand, aber alles wirkt ein wenig gemächlicher. Wir trinken an der Küste noch einen Kaffee, und machen uns auf den Weg ins Zentralmassiv. Es ist heiß, und Heinz äußert den Wunsch gegenüber der Reiseleitung, ein ganz leichter Regen wäre zur begleitenden Abkühlung nicht schlecht. Keine 10 Minuten später wird sein Wunsch erfüllt, ein ganz warmer und feiner Regen begleitet unsere Fahrt und hält unsere Körpertemperatur im angenehmen Bereich. Wir umrunden komplett den Como Grande. Es geht fast ausschließlich über vergessene oder unbekannte Passstraßen immer weiter nach oben, die Temperatur bleibt dabei sehr angenehm, und der leichte Regen verleiht dem Ganzen eine surreale Note. Wo es hinauf geht, geht es wieder runter. Wir folgen den schmalen Straßen bis ins Tal, und ein wenig später sind wir auch wieder an der Wolfshöhle angekommen. Unten an der Anfahrt zum Hotel warten bereits HaJö und Dietmar zum Fotoshooting. Die Tour war für heute genau richtig, 180 km durch teils unwegsame Einsamkeit, dazu ein Kaffee an der schönen Adria Küste, und um 15:00 liegen wir schon wieder bei schönstem Sonnenschein am Pool, mit einem kalten Bierchen in der Hand, den Blick auf die majestätischen Berge gerichtet, und warten auf unseren Mittagssnack. Es gibt hausgemachte Bolognese mit Tagliatelle, ein Gedicht, dazu natürlich ein paar Karaffen Wein, wir sind in Italien, unsere Dolce Vita. So gestärkt verbringen wir den Rest des Tages am Pool. Klaus baut seine Sprungfähigkeit weiter aus, und das eine oder andere Bierchen darf auch noch dran glauben. Abends bekocht uns Maria wieder mit herrlichen, typischen Gerichten, natürlich alles frisch zubereitet. Dazu, wie soll es anders sein, ein paar Karaffen Wein. Ich habe einen kleinen Durchhänger, ich vermute mal zu viel Wein und Bier, bei zu vielen Eindrücken in so wenig Zeit, gepaart mit der ganzen Verantwortung seit Tagen, und verziehe mich auf die Terrasse unserer Lodge. Unsere Zimmer befinden sich alle in einem Gebäude mit einer überdachten Terrasse über die gesamte Breite, eine Lodge eben, könnte so auch mitten in Afrika stehen. Früh liege ich wieder im Bett, und schlafe schnell ein, ich bin einfach platt.

Unser Quartier für die Nacht ist ja bekannt

Agriturismo La Tana del Lupo
Cda. Poggio Umbricchio
I-64043 Crognaleto (Teramo)
Tel. 0039/0861/95460 + 0039/347/1098700
Web: www.agriturismolatanadellupo.it
Email: latanadellupo@virgilio.it

7. Tag 01.07. Grognaleto bis Castiglione d´Orcia, Land, 324 km

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Frühstück gibt es heute wieder ab 07:30, um 08:30 geht es ja weiter. Alle wirken ein wenig schlapp, kein Wunder nach den letzten Tagen. Wir verlassen La Tana del Lupo und unsere tollen Gastgeber, und brechen auf zu einem neuen Abenteuer. Es geht mitten in die Toskana, zu einem der schönsten Orte im Val D´Orcia. Unsere Unterkunft soll alles Bisherige noch einmal toppen, ich bin sehr gespannt. Die Straßen werden im Verlaufe des Tages deutlich besser, obwohl immer noch Schlaglöcher und Beschädigungen an der Tagesordnung sind. Das Wetter schenkt uns wieder Sonnenschein und Wärme, so lässt es sich aushalten. Die Landschaften wechseln ständig, aber niemals langweilig, und irgendwie immer auf eine besondere Art einzigartig schön. Schon eine Zeit lang unterwegs, pumpen wir jetzt maximales Adrenalin in unsere Blutbahnen. Wir sind ja während der Tour schon einige, extreme Steigungen und enge Gassen gewohnt, gerade die Auffahrten zu unseren Unterkünften hatten es zum Teil in sich. Aber jetzt geht es eine ganze Strecke sehr steil und eng hinauf. Die Anfahrt geht durch ein kleines Dorf über Pflastersteine, auf einer sehr engen Straße, sehr steil nach oben. Ein erster Gedanke schießt mir durch den Kopf, habe ich etwas falsch geplant?. Was, wenn diese Straße im Hang endet, da kommen wir nie mehr raus. Keine Zeit für viele Gedanken, denn die Enge der Straße mit der enormen Steigung fordert jegliche Aufmerksamkeit. Auf einem kleinen Plateau angekommen, machen wir eine kurze Pause, geschafft. Nein, es ist so geplant, denn dahinter öffnet sich wieder eine ganz andere Bergwelt, mit einsamen und vergessenen Straßen. Was unsere VN´s in der Lage sind, zu leisten, wird Jedem spätestens jetzt bewusst. Vorher hätte ich mir solche Abschnitte vielleicht mit einer African Twin oder GS zugetraut, aber unsere Rösser machen alles spielend mit, mal von der einen oder anderen Schraube abgesehen, die nachgezogen werden muss.

Heute wechseln sich anspruchsvolle Abschnitte mit gut ausgebauten Straßen ab, so dass auch zeitweise ein zügiges Vorankommen möglich ist. Wir besuchen die Cascate delle Marmore, die höchsten Wasserfälle Europas. Aus dem römischen Reich entstanden, um das Gebiet zu entsumpfen und von Malaria zu befreien, bieten Sie ein beeindruckendes Naturschauspiel beim Sturz in die Tiefe. Den Weg runter zu Fällen nehmen wir nicht auf uns, eine Stunde zu Fuß kosten zu viel Kraft und zu viel Zeit, Es geht weiter. In der Toskana angekommen, versuchen ein paar Regentropfen die Straße zu erreichen. Meist ohne Erfolg, denn die Temperaturen sind immer noch hoch, und nass werden wir nicht wirklich, höchstens erreicht uns der eine oder andere Tropfen als willkommene Abkühlung. Wieder wechselt das Landschaftsbild, und wieder kann ich die links und rechts an mir vorbei ziehenden Bilder nur mit atemberaubend schön bezeichnen. Toskana, der Landstrich Italiens mit seinen sanften, geschwungenen Hügeln, alten Gemäuern, alter Geschichte, dem Chianti Gebiet, beeindruckenden Städten aus dem Mittelalter, eine Gegend wie aus einem Märchen entsprungen. Wir sind im Val D´Orcia angekommen, dem Inbegriff der Toskana. Überall säumen riesige Zypressen unseren Weg, die Natur meint es hier besonders gut.

Wir erreichen unser heutiges Ziel, den Agriturismo Grossola. Bei der Buchung dieser Unterkunft wusste ich, es kann etwas ganz Besonderes sein. Meine Erwartungen werden noch übertroffen. Eine wunderschöne Anlage, eingebettet in diese Landschaft, vollständig restauriert, so behutsam, dass man meint, hier wäre die letzten paar hundert Jahre die Zeit stehen geblieben. Silvia, unsere Gastgeberin, empfängt uns sehr herzlich, und natürlich haben wir als erstes die Biervorrate geplündert. Das meine ich auch so, aufgrund mangelndem Nachschubs müssen wir recht schnell auf Wein umstellen, wir haben Grossola in einer Stunde leer gesoffen. Nach dem obligatorischen „ich bring das Gepäck ins Zimmer“ folgte gleich der Sprung in den großen Pool. Ein Blick nach vorne, und ich liege unmittelbar vor den sanften Hügeln des Val D´Orcia, mit der Flasche Bier in der Hand, und einem großem Kastell im Hintergrund als Kulisse. An Luxus fehlt es uns selten auf dieser Tour, na ja, was für den Arsch wäre ab und an nett, aber das würden möglicherweise unsere Frauen falsch verstehen. So begnügen wir uns mit dem, was wir vorfinden, und das ist schon mehr als genug.

Abends werden wir von Silvias Mama kulinarisch verwöhnt. Ein typisch einfaches, regionales Menü, frisch zubereitet, man spürt die Kräuter und Zutaten auf der Zunge. Und natürlich hausgemachten Wein dazu, was für ein schweres Leben wir doch haben. Hier kann ich mir gut vorstellen, ein paar Tage zu verweilen, dann natürlich mit Familie, es ist einfach nur traumhaft hier. Wir sitzen noch lange draußen, und beobachten den Sonnenuntergang zwischen den Hügeln, eine einzigartige Stimmung an diesem begnadeten Flecken Erde. Die Müdigkeit ist dann doch stärker, und auch dieser Abend endet früh, und so schlummern wir schnell in die Nacht. Ab und an höre ich noch aus der Richtung meines Bettnachbarn ein leichtes Säuseln,,, „Rufe Intercom“ … „Frank Vulcan bitte melden“… auch das verstummt nach und nach.

Unser Quartier für die Nacht

Agriturismo Grossola
Via Grossola 4
I-53023 Castiglione d´Orcia
Tel.: 0039/0577/887537
Web: www.agriturismogrossola.it
Email: info@agriturismogrossola.it

8. Tag 02.07. Castiglione d´Orcia bis Gaggio Montano, Land, 328 km

Geplante Abfahrt 08:30, Frühstück gibt es ab 07:30. Und wie soll es anders sein, die Nacht ist wieder viel zu früh zu Ende. Wir genießen das einfache Frühstück und machen uns auf zu unserem nächsten Ziel in der Emilia Romagna.

Die Fahrt mitten durch die Toskana hat etwas ganz Besonderes, mit Worten nur schwer zu beschreiben. Wir erreichen die Stadt San Grimignano, auch Stadt der Türme genannt. Ich suche im Wirrwarr der Stadt einen Platz hoch oben, um ein paar schöne Fotos machen zu können, und finde eine kleine Gasse mit der perfekten Kulisse im Hintergrund. Ein paar Minuten später, wir sind gerade im Aufbruch, hält ein Polizist an. Er sieht mächtig verärgert aus, ich vermute, er wurde gerufen, da wir unsere Mopeds auf einem privaten Parkplatz abgestellt haben. Ich geh auf ihn zu und nehme ihm gleich den Wind aus den Segeln, und mache einen auf dummen Touristen. Nach meiner Erklärung, ich hätte mich vollständig in den Gassen verfahren, und alle Mopeds müssen mir folgen, wurde er zugänglich. Auf die Frage, wo wir denn hin müssen, antworte ich wahrheitsgemäß mit Volterra. Kein Problem, sagt er, ich geleite euch aus der Stadt. Klar kannte ich den Weg selber, aber so umgingen wir einer Knolle, und hatten mitten in San Grimignano eine eigene Polizeieskorte, das soll mal jemand nachmachen.

Die Gegend um Volterra wird ja in allen Reiseführern als einzigartig schön beschrieben, das kann ich zu hundert Prozent bestätigen. Traumhaft, mit dem V2 hier entlang zu tuckern, wie so oft habe ich Gänsehaut bei den Ausblicken. Wir steuern auf den Futa-Pass zu, die Straßen sind mittlerweile für italienische Verhältnisse gut, und wir erreichen den deutschen Soldatenfriedhof Futa, wo wir eine Pause einlegen. Zum einen, um ein paar Minuten durchzuatmen, aber vor allem, um den vielen Deutschen zu gedenken, die hier als Soldaten beerdigt wurden. Es sind über 30.0000 Mann, die hier zusammen getragen wurden. Der Friedhof strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, man spürt förmlich diese grausame Geschichte, und wir halten einen Moment inne in Anbetracht dieses schwarzen Kapitels der Menschheit. Ruhet in Frieden Jungs.

In der Emilia Romagna angekommen, wechselt wieder das Landschaftsbild. Wunderschön, malerisch, ein wenig rustikaler als die Toskana. Am Ziel angekommen, finden wir unsere Unterkunft nicht, auch mehrmaliges Abfahren der betreffenden Adresse bringt keinen Erfolg. Also sprechen wir einen der wenigen Menschen an, die wir sehen, und klar kennt die nette Frau unseren Gastgeber persönlich. Wir rufen ihn kurzerhand an, geben unserer Helferin das Telefon, die beiden tauschen sich kurz aus, und 10 Minuten später kommt uns sein Sohn mit einem Roller abholen und geleitet uns zur Unterkunft. Es ist das Agriturismo Cal di Fos. Es ist wirklich schwer zu finden, denn von der Straße aus, an der wir warteten, müssen wir einen langen, steilen Eselspass hinauf in die Einöde mitten im Berg.

Ilario, unser Gastgeber, begrüßt uns super herzlich. Ein super lieber Kerl, aber auch ein wenig verstrahlt. Wir fragen nach einem kühlen Bier, was wohl für IIario eine große Herausforderung bedeutet. Nach gefühlten 30 Minuten kommt seine Frau mit einem Tablett wieder, darauf eine Flasche eisgekühlter Prosecco und eine kleine Flasche Becks. Für alle? Egal, wir haben erst mal gleich den Secco vernichtet, und kurze Zeit später kommt Ilario mit einem riesigen Korb voller Kaltgetränke, darunter einige Biere, wo aber keine Flasche von der gleichen Marke war. Das wird sich auch heute noch beim Wein so fortsetzen. Gepäck ins Zimmer und als erstes in den Pool, war doch klar, denn der ruft ja schon. Gut, dass ich vor dem Sprung ins Nass nicht die Temperatur gefühlt habe, denn das Wasser war definitiv unter 10 Grad Celsius. Ilario hatte gerade den Pool mit Brunnenwasser befüllt. Einmal im kalten Nass, ist es eine echte Entspannung nach dem heißen und anstrengenden Tag, und der Whirlpool trägt noch zur Entspannung bei. Klaus und Harry kommen auch noch ins Wasser, und wir genießen wieder diese verrückte Situation, mitten in der Einsamkeit inmitten der Berge im Pool eine leckere Flasche Bier zu trinken.

Unsere Unterkunft ist sehr urig, alles ein wenig verschroben, das eine oder andere auch nicht hundertprozentig in Ordnung. Aber es passt einfach zu diesem Ort, zu unserer Tour. Und Ilario und seine Frau sind so herzliche Gastgeber, sie muss man einfach lieb haben. Das Bier ist schon länger zu Ende, und wir haben bereits auf Wein umgestellt. Leider bekommen wir jedes Mal eine andere Marke von irgendwo her, teilweise eine Art Lambrusco, teilweise anhand der Etiketten zu erkennen schon älter. Bis wir geschnallt haben, dass es keine Flasche einer Marke zwei Mal gibt, außer dem Lambrusco. Auf Nachfrage bei Ilario, wie wir das mit dem Wein regeln, meint er nur, nehmt euch was ihr braucht, und lasst es euch gut gehen, no Problem. Und das machen wir auch, jeder nimmt sich von irgendwo eine Flasche Wein, stehen ja hunderte herum. Das Essen ist auch wieder typisch regional. Zum Hauptgang gibt es Fleisch, lange geschmort, super zart und lecker. Einige wollen nicht wirklich wissen, was es ist, ich vermute Nutria (Wasserratte) wegen der vielen, kleinen Knochen. Egal, es schmeckt sehr gut. Ilario versichert uns später, es wäre ein junges Wildschwein gewesen, na ja, erzählen können sie, die Italiener. Nach vielen, verschiedenen Weinsorten und mit vollem Magen kommt dann auch wieder die Müdigkeit, und auch dieser Abend endet recht früh, alle sind mächtig geschafft. Gute Nacht Emilia Romagna, gute Nacht Nutria.

Unser Quartier für die Nacht

Agriturismo Cà di Fos
Via Ronchidoso, 731
I – 40041 Gaggio Montano (Bologna)
Tel: 0039/053437029 oder 0039/3355326128
Web: www.agriturismo-cadifos.com
Email: info@agriturismo-cadifos.com

9. Tag 03.07. Gaggio Montano bis Levanto, Land, 302 km

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Geplante Abfahrt wieder 08:30, Frühstück ab 07.30. Und schon wieder viel zu früh wach, also die verklebten Augen mit Wasser quälen und ab nach draußen ein wenig die Beine vertreten. Den Knochen merke ich schon an, dass wir die letzten Tage keinen Strandurlaub hatten, aber bei weitem nicht so schlimm, wie vor Abfahrt befürchtete. Da ist noch Luft, und ich freu mich auf unsere heutige Etappe mit Ziel Mittelmeer, an einen der schönsten Orte der Welt, die Cinque Terre. Beim Bezahlen erleben wir eine angenehme Überraschung. Auf meine Frage, was wir denn jetzt für die ganzen Getränke zahlen müssen (wir hatten schließlich eine nicht unbedeutende Menge an Bier und vor allem Wein getrunken) meint Ilario, jeder gibt 10 € und es ist gut. Na ja, der eine oder andere Wein war jetzt nicht der Brüller, aber da haben wir alle nicht mit gerechnet. Danke Ilario für die tolle Gastfreundschaft.

Wir genießen die tolle Landschaft der Emilia Romagna, und fahren über wunderschöne Straßen und kleine Pässe, und durch tolle Orte mit ihren von diesem Leben geprägten Einwohnern. Heute sind wir als Bummelzug unterwegs, bis mittags geht es nur langsam voran. Dazu kommen noch 3 große Umleitungen, die einige Zeit kosten. Vor dem Berceto Pass dann ein Schild mit dem Hinweis „Straße gesperrt“ Ich halte an, denn wenn ich an die Straßen zurück denke, die wir bereits befahren haben, und an denen kein solches Schild stand, muss das nichts Gutes heißen. Ich überlege noch, wie wir den Pass umfahren können, als ein kleiner Wagen anhält. Er will gerade in die Passstraße einbiegen und wir versperren den Weg. Und mitten im Nirgendwo, mitten in dieser einsamen Natur, kann er auch noch perfekt deutsch, er hat viele Jahre bei uns gearbeitet. Er erklärt uns, dass komplette Straßenabschnitte weggebrochen sind, oder über 3 Meter abgesackt sind, und man nur mit einem geländegängigen Fahrzeug dadurch kommt. Also ist die Entscheidung richtig, eine andere Route zu wählen, auch wenn wir bisher erfahren durften, dass unsere Mopeds mehr können als nur geradeaus. Ich habe kurz mit unserem hilfsbereiten Freund die Optionen besprochen, und mich für eine Ausweichroute über den einen anderen Pass entschieden. Er versprach, eine halbe Stunde später an der Strecke zu stehen und zu warten, ob wir vorbei kämen. Und siehe da, knapp 30 Minuten später winkt er uns am Straßenrand zu. Danke unbekannter Freund. Wir sind wieder auf der geplanten Route Richtung Cisa Pass, wo wir auf der Passhöhe eine kleine Pause machen. Der Pass ist nicht wirklich hoch, nur etwas über 1000 Meter, und es herrscht ein laues Lüftchen bei angenehmen Temperaturen. Es geht weiter Richtung Küste, und als wenn jemand die Türe zum größten Ofen der Welt aufmacht, wird es auf einen Schlag unerträglich heiß. Gefühlte 50 Grad, kein kühlender Wind, und an der Küste angekommen fahren wir mitten durch die lebendige Hafenstadt La Spezia.

Ich finde die ganz besondere Anfahrt zur Panoramastraße entlang der Cinque Terre. Wie ein Korkenzieher zieht sich das schmale Sträßchen mit super engen Kehren immer weiter nach oben, Auf der Höhe der Küstenstraße angekommen, mache ich kurz Halt, um das anstehende Naturspektakel kund zu tun. In erreichbarer Nähe befindet sich hinter uns eine kleine Bar, und es vergeht keine Minute, als alle dahin stürmen und sich mit kalten Getränken oder Eis bedecken. Ich hab noch meine warme Flasche Wasser, das reicht mir, ich werde gleich im Hotel den Biervorrat plündern. Die Küstenstraße entlang der Cinque Terre ist ein Erlebnis, immer wieder werden uns kleine Einblicke tief unten ans Meer gewährt, wo die kleinen, malerischen Dörfer wie auf einer Märklin Anlage installiert liegen. Nicht umsonst ist dieser Flecken Erde Weltkulturerbe. Wir erreichen unser Ziel für heute, das Hotel Nazionale mitten in Levanto, 100 Meter vom Meer entfernt. Unsere Motorräder parken wir in einer bewachten Garage neben dem Hotel, und genehmigen uns in der Lobby erst mal ein paar kühle Bierchen, bevor wir unsere Zimmer zum Frischmachen missbrauchen.

Auf Empfehlung des Hotel finden wir das passende Restaurant für heute Abend. Wir warten noch eine halbe Stunde auf den Tisch, und flanieren an der Promenade entlang. Zum Schwimmen ist es zu spät, aber mit den Füßen gehe ich wenigstens noch mal ins Meer. Keine Panik wegen den Fischen, ich war vorher auf dem Zimmer duschen. Der Tisch ist frei, wir sitzen, und die Karaffen Wein sind schnell auf dem Tisch. Und das Essen schmeckt ausgezeichnet und frisch, die Preise passen sich dem nach oben orientiert an. Alle sind wir angespannt von den letzten 9 Tagen, und auch körperlich platt, und so wird das eine oder Wort auch mal nicht gleich richtig verstanden. Doch sind wir zum Glück alle alt genug, uns wieder zusammen zu raufen.

Ich genieße die letzte Stunde auf unserer großen Terrasse neben dem Zimmer mit Blick in die Berge, und werde ein wenig wehmütig, denn so langsam bewegen wir uns immer weiter in Richtung Heimat. Die Müdigkeit besiegt die Wehmut, und so schleiche ich in die Nacht am Mittelmeer.

Unser Quartier für die Nacht

Hotel Nazionale
Via Jacopo,20
I-19015 Levanto (SP)
Tel.: 0039/0187808102
Web: www.nazionale.it
Email: hotel@nazionale.it

10. Tag 04.07. Levanto bis Verceia, Land, 341 km

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Geplante Abfahrt 08:30, Frühstück ab 07:30. Heute werde ich tatsächlich erst um 06:00 wach, cool. Scheinbar liegt es daran, dass es Richtung Heimat geht. Heute haben wir das Ziel Lago di Mezzola, der kleinere See direkt hinterm Lago di Como von hier aus gesehen.

Nach einem sehr guten Frühstück im Innenhof des Hotels holen wir unsere Mopeds aus der Garage und parken vor dem Hotel. Jochem flirtet mit den beiden, süßen Polizistinnen, denn wir stehen hier innerhalb einer Fahrverbotszone im reinen Parkverbot. Sein Charme überzeugt die beiden Mädels, von Tickets abzusehen, zumindest habe bis heute noch keines in der Post. Gut gepackt brechen wir auf zu unserer Etappe zurück in die Alpen. Der erste Teil der Strecke ist für Motorradfahrer ein wahr gewordener Kurventraum. Vor uns liegt eine schier nicht enden wollende Schlange aus Asphalt, mit leicht geschwungenen Kurven, die sogar teilweise mit den passenden Neigungen aufwartet. Nach den ersten Metern ein kurzer Blick zu Heinz, und sein Grinsen verrät mir, dass er das Gleiche denkt. Laufen lassen. Gut 30 km schweben wir über die Strecke, immer schneller, und wie in einem Rausch gefangen. An uns vorbei ziehen schroffe Felswände an der einen Seite, eine Schlucht an der Anderen. Es soll nicht aufhören, dieses Gefühl mit der Straße eins zu sein. Am Ende halten wir an, und warten kurz auf den Rest der Truppe, den wir ganz egoistisch für ein paar wunderschöne Minuten im Stich gelassen haben.

Heute habe ich ganz bewusst Teilstrecken eingebaut, auf denen wir schneller voran kommen. Genau in der heiligen Siesta der Italiener, gegen 13:00, circa 130 km vor unserem heutigen Ziel, springt nach einer Pause das Motorrad von Harry nicht mehr an. Die winselnden Geräusche des Anlassers lassen nichts Gutes ahnen. Mittlerweile krisensicher, was diverse Pannen und Reparaturen angeht, machen wir uns auf die Fehlersuche. Anlasser oder Batterie? Gleich neben uns ist ein Rollerverkauf mit Werkstatt, also kein Problem, denken wir, holen wir eine neue Batterie. Denkste, es ist Siesta, und alles hat geschlossen. Jochem findet den Inhaber hinten im Hof an seinen Wohnmobil basteln, und gegen die Natur der Italiener, ist dieser sogar bereit zu helfen. Nutzt aber nichts, denn er hat nichts auch nur annähernd Brauchbares in der Werkstatt. Meine Idee, dass Harry seine VN gegen einen Roller eintauscht, findet bei ihm in diesem Moment keine Zustimmung. Da unsere Zwangspause direkt neben einer Tankstelle war, fragen wir einen Mopedfahrer um Hilfe, ob er uns ein Geschäft oder eine Werkstatt nennen kann. Kein Problem, eine Honda Vertragswerkstatt, und die ist auch nur ein paar Kilometer weg. Also macht sich Jochem auf den Weg, da er mit seinen Kenntnissen der italienischen Sprache am besten zu Recht kommt. Tja, Siesta halt, keine Chance. Und der Laden macht erst um 15:00 wieder auf. Jochem schafft es dennoch, nach einer Stunde Wartezeit Jemanden von der Werkstatt anzusprechen. Der ist gar nicht begeistert, dass Jochem ihn in seiner heiligen Siesta stört, und verjagt ihn mit den Worten, er solle nach 15:00 wieder kommen. Ob die eine Batterie haben, wissen wir immer noch nicht. Um 15:00 fährt Jochem erneut hin, zum Glück nimmt er die mittlerweile ausgebaute Batterie mit. Klar, eine passende Batterie haben die natürlich nicht da, testen aber unsere ausgebaute und stellen keinen Fehler fest. Was tun? Erst mal Batterie einbauen, dann anschieben, und hoffen, dass das Moped bis zum Ziel durchhält. Es sind jetzt 2,5 Stunden vergangen, die Batterie ist eingebaut, Harry drückt spaßeshalber auf den Startknopf, und das Moped läuft. Ist dann doch wohl der Anlasser, oder zumindest der kleine Magnet, ich hatte das damals bei meiner VN800 auch 2 x und nach einer Zeit sprang sie auch wieder an. Oder hat Harry vergessen, den Not-Aus zurück zu schalten?

Wir können weiter, mittlerweile hat uns leider die Regenfront eingeholt, vor der wir bis hier die ganze Zeit flüchten konnten. Es schüttet aus Eimern, wir sind spät, und heute Abend spielt Deutschland. Alle ermutigen Harry, er darf heute Abend nur einen Getränkedeckel für alle nehmen. Zum Glück haben wir heute gut ausgebaute Straßen, auf denen wir wieder zügig voran kommen. Nur das letzte Stück wird noch mal anspruchsvoll, die Anfahrt über die Berge mit Abfahrt nach Bellano, eine kleine Straße mit wunderschönen Kehren, nur nicht im Regen. Und wie es halt kommt, genau hier läuft das Wasser nur so von den Bergen runter über die Straßen, Es gießt sinnflutartig, ich kann kaum die Straße erkennen. Bei trockenem Wetter eine Traumstrecke, aber jetzt eine Herausforderung nach der anstrengenden Etappe und der Zwangspause. Ganz gemütlich folgen wir den Serpentinen, nur die Hand vor Augen erkennbar, bis wir den Comer See erreichen. Hier wird das Fahren wieder angenehmer, der Regen bleibt trotzdem unser Begleiter. Wir folgen dem Comer See bis zum Ende, und erreichen kurze Zeit später unser Ziel, das Hotel Saligari in Verceia. Was für eine Fahrt die letzten 130 km, die Straßen schwimmen immer noch, also ab ins Hotel. Schnell die Zimmer regeln, und erst mal ein kühles Bier ansetzen. Unser Zimmer hat eine super geile Terrasse mit tollem Blick auf den See, mit eigenem Lounge Bereich. Also ab unter das Wasser, und danach ein paar Minuten chillen.

Unser Hotel hat ein Restaurant, dessen guter Ruf mir schon bei der Buchung voraus geeilt ist. Und wir werden nicht enttäuscht. Das Essen ist super geil, meine Augen sind so groß, dass ich gleich Prima und Seconda bestelle. Dass beide Portionen so riesig sind, hätte ich nicht gedacht. Ich kann das Essen oben fühlen, und hab es noch nicht mal aufbekommen. Heute Abend trinke ich nur Bier. Und meine Lider werden schnell wieder verdächtig schwer, so dass der Abend nicht alt wird. Früh entschwinde ich ins Reich der Träume.

Unser Quartier für die Nacht

Hotel Saligari
Villa Mario Copes, 29
I-23020 Verceia (SO)
Tel.: 0039/0343/39100
Web: www.hotelsaligari.com
Email: info@hotelsaligari.com

11. Tag 05.07. Verceia bis Nellingen, Land, 363 km

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Geplante Abfahrt 09:00, Frühstück ab 07:30. Und auch nicht so früh wach, um 06:00 schaue ich mir das Wetter an. Alles ist noch mächtig mit Wolken verhangen, zum Greifen nah. Heute haben wir als Ziel unser Startquartier in Nellingen, und wir fahren über die Alpen drüber weg, trocken wäre einfach nur perfekt. Man kann es sich ja wünschen.

Nach einem tollem Frühstück brechen wir auf in Richtung Splügenpass. Den Pass bei Regen zu fahren, ist kein Geschenk, also hoffen wir auf ein Einsehen und auf trockenes Wetter. Und unsere Hoffnung wird erfüllt, die Straßen sind zwar teilweise noch etwas feucht, aber wir haben keinen Regen. Die Landschaft ist zwar jetzt vollkommen anders als im mediterranen Italien, aber auch wunderschön. Der Anstieg zum Pass ist etwas ganz Besonderes, super enge Kehren mit großen Steigungen winden sich wie ein Korkenzieher den Berg hinauf. Teilweise ist die Straße so breit, dass kaum 2 PKW nebeneinander passen, und auch die Kehren lassen keine Fehler beim Umfahren zu. Je höher wir kommen, desto weitläufiger wird die Straße. Ab hier lasse ich es laufen. Wieder im Rausch der Kurven, fühle ich mich wie auf Wolke sieben. Immer schneller geht es voran, die Landschaft rauscht beeindruckend an mir vorbei. Und ich erreiche die Passhöhe, klar machen wir hier eine Pause. Das Wetter hält, bis auf die teilweise feuchten Straßen alles perfekt. Ich bin schon viele, kleine und große, niedrige und hohe Pässe gefahren, aber der Splügenpass gehört bei mir zu den absoluten Favoriten. Nach der Abfahrt müssen wir durch das Nadelöhr Liechtenstein und Österreich bis zum Bodensee. Viele Städte und Ampeln lassen uns nicht sehr schnell vorankommen. Den Bodensee begrüßen wir zur Linken, und danach läuft es wieder besser. Im Allgäu habe ich nicht die kleinen, vergessenen Sträßchen geplant, sondern tolle geschwungene Strecken, wo wir dahin gleiten können. Und ich lasse es wieder laufen, und wippe mit der Maschine im Einklang der Straße von links nach rechts. Einfach nur herrlich, selbst nach so einer langen Strecke, die hinter uns liegt. Heinz hat uns mittlerweile verlassen, aus persönlichen Gründen fährt er auf direktem Wege nach Hause. Auch Dietmar entscheidet 70 km vor unserem Ziel, direkt die Heimreise anzutreten. So fahren wir 5 die letzten Kilometer bis Nellingen. Kurz vor unserem Ziel, wir liegen super in der Zeit, erfülle ich Klaus seinen größten Wunsch seit Tagen. Ich halte bei Mc Doof an, und wir genießen einen leckeren Kaffee, und der eine oder andere noch einen kleinen Snack. Wir erreichen unser Ziel, und werden freudig von Eva-Maria und dem Rest der Truppe vom Landgasthof Krone erwartet. Natürlich trinken wir erst mal ein leckeres, kühles Bier, bevor wir uns auf den Zimmern vergnügen und den Dreck der letzten 11 Tage von uns waschen.

Am Abend essen wir wieder draußen, das Wetter ist uns milde gestimmt. Es schmeckt, so wie ich es hier kenn, richtig lecker, und das eine oder andere Bier findet den Weg in unsere Kehlen, Eva-Maria versorgt uns mit Finch, und so trinken wir uns in einen richtig, schönen, gemütlichen Abend hinein. Als Dank für die Tour bekomme ich von Dietmar, HaJö, Harry, Heinz, Jochem und Klaus eine Flasche Finch geschenkt, super Jungs, ich freu mich riesig darüber. HaJö bekommt von Eva-Maria endlich eine Klampfe, das hatte er schon während der Tour ein paar Mal versucht, und das macht diesen Abend unvergesslich. Lange sitzen wir draußen zusammen, und HaJö und Jochem verzaubern uns mit (nicht immer jugendfreien) Minnegesängen. Ein Lagerfeuer ist auch entfacht, und weitere Gäste, die sich zu uns gesellen, übernehmen Teile der Band. Ein richtig toller Abschluss einer Wahnsinnstour, leider können Heinz und Dietmar das nicht miterleben. Und besonderen Dank an unsere süße Sabine, die uns den ganzen Abend erduldet.

Genau in diesem Moment, als wir alle so gemütlich zusammen sitzen, merke ich, wie mir eine riesige Last von den Schultern fällt. Alles entspannt sich, und ein wohliges Gefühl macht sich breit in mir. Geschafft, die Planung stimmte bis ins Details, Herausforderungen haben wir gemeistert, und wir haben keinen zurück gelassen. Geiles Gefühl.

Diese Nacht ist noch etwas ganz Besonderes. Harry und ich schlafen nicht miteinander, erste Trennung nach 10 gemeinsamen, kuscheligen Nächten. Wir haben ein Zimmer mit getrennten Räumen. Die erste Überlegung, mit Helm zu schlafen, damit man ab und an mal Intercom einschalten kann, verwerfen wir wegen der sich aufbäumenden Müdigkeit, und schlummern sogleich selig in die Nacht.

Unser Quartier für die Nacht

Landgasthof Krone
Aicherstr. 7
89191 Nellingen
Tel.: 07337/96960
Web: www.landgasthof-krone.eu
Email: info@landgasthof-krone.eu

12. Tag 06.07. Nellingen bis Nettetal, AB, 503 km

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Abreisetag, welch ein Graus. Das kann doch nicht alles gewesen sein? Ohne Scherz, es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, nach so einer intensiven und langen Tour einfach nach Hause aufzubrechen. Als grobe Zeit haben wir Abreise um 10:00 ausgemacht, klar war ich schon wieder früher auf den Beinen. Immerhin habe ich es heute bis 06:30 im Bett ausgehalten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück sind auch alle schon wieder auf den Beinen. HaJö und Klaus fahren heute den direkten Weg Richtung Heimat, und so beschließen Harry, Jochem und ich, früher los zu fahren. Wir starten um 09:00 und werden von HaJö und Klaus gebührend verabschiedet.

Wir nehmen den direkten Weg über die Autobahn, und sparen uns die ersten Kilometer über die Landstraße. 500 km liegen vor uns, und es geht zügig voran. Ohne Staus und Pannen erreichen wir um 15:30 Hotel Schänzchen, unsern Startpunkt vor 12 Tagen. Die letzten 50 km bekommen wir noch die volle Ladung Regen ab, egal, gleich sind wir daheim. Und zu unserer riesigen Freude werden wir wie beim Start wieder von Markus erwartet. Als wenn er die ganze Tour dabei war, toll Markus, danke für den Empfang in der Heimat. Komm einfach wieder zu uns, wir vermissen Dich alle.

Die letzten Kilometer bis zu meiner Haustüre freue ich mich nur darauf, Sohn, Frau, Hund und Pferd wieder in meine Arme nehmen zu können. Eine innere Ruhe begleitet mich die letzten Meter, vielleicht ist es auch nur die Anstrengung der letzten 12 Tage, die in den Knochen steckt. Natürlich mache ich als erstes ein leckeres, kaltes Bier auf. Das habe ich mir verdient 😉

Buongiorno, Buoananotte und Arriverderci

Mein persönliches Fazit

Träume sind schwer zu erfüllen, und es gelingt nicht immer, eher selten. Mit der Seealpentour 2013 durfte ich erleben, dass ein geplanter Traum in der Wirklichkeit jede meiner Vorstellung im Positiven um ein vielfaches übersteigen kann. Und mit der Apennin- / Toskanatour 2014 habe ich mir einen weiteren Traum erfüllt, und ich hoffe, die anderen Teilnehmer sehen es ähnlich. Es war eine ganz besondere Mischung aus Moderne und Historie, aus pulsierendem, italienischen Lebensgefühl und der Einsamkeit der Berge, eingebettet in Landschaften, die ich in so kurzer Zeit und in dieser Vielfältigkeit noch nie erlebt habe. Und das Ganze gespickt mit traumhaften Unterkünften, einem hervorragenden Essen, und genügend Adrenalin, wenn ich an die eine oder andere Straßenbeschaffenheit zurück denke. Ein echtes Adventure halt, unsere eigene Art der Dolce Vita.

In Worte kann ich das nicht fassen, dafür sind die Erinnerungen zu gewaltig. Im Tourbook kann ich nur annähernd wieder geben, wie die Tage vergangen sind. Die Gefühle kann ich nicht beschreiben, die muss man einfach selber erleben.

Bedanken möchte ich mich bei allen Teilnehmern. Zum Einen für das Vertrauen im Vorfeld, und zum Anderen zu der unglaublich tollen Truppe, die wir waren. Und danken möchte ich auch unseren Frauen und Partnern, die uns losgelassen haben und den Traum dadurch mit ermöglicht haben.

Und nach der Tour ist vor der Tour. Für 2015 habe ich schon wieder eine Tour vor Augen. Diesmal etwas ruhiger, sanfter, kürzer, nicht so exotisch. Vielleicht nur 6 Tage in eine schöne Motorradregion, und einfach das gemeinsame Fahren und tolle Abende mit Freunden genießen. Aber verlasst Euch drauf, auch diese Tour wird sicherlich nicht 08/15…

Ich freu mich, den einen oder anderen von unserer Truppe bei den nächsten Touren wieder dabei zu haben!

Dietmar, wir sehen uns 😉

Der Autor

Mein Name ist Frank. Wenn ich nicht gerade Motorrad fahre oder beruflich unterwegs bin, ist mein Lebensmittelpunkt der Niederrhein im Kreis Viersen. Motorrad fahren bedeutet für mich immer schon die Verbindung aus Freiheit und Sehnsucht, und das mit Gleichgesinnten zu teilen, ist eine ganz besondere Erfahrung. Aus diesem Grund moderiere ich im Forum Vulcan 800/900 den Stammtisch NRW, und da ich nur nette Menschen kenne, nennen meine Freunde mich (wenn sie mich ärgern, was ständig der Fall ist) Oma der Kompanie…

Ich selbst bin leidenschaftlicher Cruiser auf einer Kawasaki Vulcan VN 1600 Classic,

Schwalmtal, 11.07.2014

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heisst Abenteuer pur…